RENDEZVOUS2018
narrative lecture performance / live VJ-Set / guided archive-tour

im rahmen des hothouse for rough translations www.h4rt.org
gefördert durch das kulturreferat der landeshauptstadt münchen


contact@rendezvous3000.com


english version below


"Es steht da, an jeder Ecke die wir jetzt mit dem Auto passieren und wartet... Eine Wiederholung im Vorüber, ein tolerierter Nebeneffekt oder eine vergessene Idee. Die aus Fragmenten gezeichnete Karte verschmilzt mit dem Ort und beginnt weiter zu wachsen, wie ein Parasit der sich festklammert, um an einer anderen Stelle prall und reif wieder abzufallen."

Geschichten erzählen heißt längst nicht nur Beschreiben, es heißt immer auch durch das Anblicken erfinden. Stets geht damit auch eine Aneignung des Gesehenen einher. Wer benutzt welche Information und aus welchem Interesse?
Ganze Nationen und Staatenverbünde gründen auf Ursprungsmythen, die nicht selten auch die Maske für Ideologien hergeben. Und auch, wenn heute die Zeit der "großen Erzählungen" vorbei sein soll, werden wir zugleich stets auf eine schier unendlich große Vielfalt an Interpretationen zurückgeworfen. Dass der Mensch nach Mustern, also Sinn sucht, ist längst beim common sense angekommen.

Solchen grundsätzlichen Fragen und ihren vielschichtigen Implikationen und Widersprüchlichkeiten widmet sich die Online-Plattform RENDEZVOUS3000. Als multimedialer Narrativspeicher, widmet sie sich der Frage nach der Erzählung und beschreitet dabei den riskanten Grat zwischen Autonomiebestrebungen und der Tendenz zur Selbstauflösung. Die Funktion der Online-Plattform besteht im Archivieren. Die praxisorientierte Forschung, die sich dabei für die neueren Erzählstrukturen, sowie deren Antistrukturen interessiert, befragt den Begriff des "narrative storytelling". Wie erzählen wir uns diese Geschichte?
RENDEZVOUS3000 geht es also um das Sammeln, Sichten und Analysieren des Materials. Gesucht werden "Fragmente des Erinnerns", die gesammelt, zersetzt und schließlich transformiert werden. Das Material wird dann durch wechselnde Ordnungssysteme miteinander verknüpft, so dass die daraus resultierenden Narrationen stets ihre eigene Kontingenz mit ausstellen: Alles könnte auch ganz anders sein.

Bis zum online Launchtermin befindet sich die Plattform als Testversion RENDEZVOUS2018 in fortwährender Bearbeitung. Sie versteht sich als Container, als Speicher für die Ablagerung und Sedimentierung des gesammelten Materials. Auf der anderen Seite dient sie der Erweiterung des theatralen Raums, wenn aus ihren virtuellen Schichten Material aktualisiert bzw. performiert wird.Als inszenierte Raumsituation, die zugleich live VJ-Set beziehungsweise lecture performance ist, erproben die beiden Plattform-Autorinnen Möglichkeiten und Grenzen dieser neuen Bühne und luden im Juni 2017 dazu ein, den Erzählsträngen an drei Abenden mit der Plattform als Gegenüber zu folgen.


The digital staged Archive RENDEZVOUS3000 deals with the topic of contemporary story-telling and is furthermore asking for new ways of building up or reconstructing narratives. This multimedia-based pool of narrative elements was created by the two artists themselves and is continously growing. It is dedicated to the fundamental questions about contemporary storytelling and its multilayered implications and contradictions within.
Nations were founded on myths of origin, that often mask ideologies and although the time of the big narratives is seemingly over, we are confronted with an infinite variety of interpretations.
So how do we tell these stories today? Who tells what kind of story and what is the intention behind it?

Narratives are no longer able to legitimize the pursuit of knowledge, economic growth or social and moral emancipation. They only work as expressions of a point of view or of specific interests. Those points of view can only become paramount by being convincing or not.
The computer database as a virtual space has become a cultural form that is used to represent human experience, the world and human existence in this world.

RENDEZVOUS3000 searches for „fragments of memory“ which shall be getting collected, dissolved, analysed and transformed. This „material“ is then being inter-linked via changing classification systems to generate new narratives that can vary every time.
The current version of the online-platform is being used as a storage-container for sedimenting this material and is also serving as a base for the theatrical performance, as it expands the staged setting into the digital space.
These performances are guided tours through this created narrative-database by the artists themselves and thus generate a different and unique experience everytime.