Antigone Archiv Oper


6. / 7. / 8. September 2019
Schwere Reiter München



Zwei Welten prallen aufeinander. Der Inhaber der Staatsgewalt kollidiert mit der Verfechterin von Familie und göttlicher Ordnung. Beide haben recht. Der Chor kommentiert. Zwei Schwestern haben sich politisch entzweit; Vater und Sohn streiten.

Wir sind in Antigone, einem merkwürdigen Viertel in Montpellier, das architektonisch auf griechische Antike tut. Der ideale Ort, um den Geist der Namensgeberin anzurufen. Eine Reporterin informiert. Eine Politikerin schwingt eine Rede. Eine Fremdenführerin erklärt die Lage.

Denn: Die Sache ist kompliziert. Antigone fehlt als Figur. Vielmehr ist sie als untergründige Kraft präsent. Sie infiltriert Konflikte, gerade auch denjenigen zwischen Papa K. und Ham - ein Generationenkonflikt, der Vorstellungen von Männlichkeit herausfordert.
Künstlerische Positionen verschiedenster Ausprägung werden in ihrer Eigenständigkeit hervorgehoben, ohne aus dem Blick zu verlieren, an einem Strang zu ziehen - diejenigen Kräfte des Stücks zu beschwören, die Autoritäten herausfordern. Antigone will durchlebt werden, nicht abgebildet. Sie ist nicht nur Stoff, sondern wird Modell - Blaupause einer künstlerischen Praxis der Selbstermächtigung.

An drei Abenden werden im Münchner Schwere Reiter die Konsequenzen der dem Stück inhärenten Unvereinbarkeit in verschiedenen Formaten ausgetragen. Die Unauflösbarkeit wird feierlich inszeniert, auf dass sein Brutherd, der paradoxale Bodensatz so schillernd und eigenartig wie irgend möglich hervortritt.
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